Wenn es anders kommt und doch gut wird #stayhome – Familienbildung in Corona-Zeiten

Wenn es anders kommt und doch gut wird #stayhome – Familienbildung in Corona-Zeiten
So viele Planungen, die wegen der Pandemie in diesem Jahr nicht umgesetzt werden konnten:
Osterfreizeiten, Auszeitwochenende für Pflegeväter, Zelten im Garten bei Löwenzahn, Ausflüge,
Poolpartys, und und und…

Das ist wirklich ein besonderes Jahr, in dem so manche Veranstaltung über den Haufen geworfen
wurde, wozu zuletzt dann auch die Familienfreizeit gehörte. Ein geringes Opfer angesichts der
Einschränkungen, die die Pandemie für andere Arbeitsbereiche und viele Menschen bisher
bedeutete und noch bedeutet. Das ist uns durchaus bewußt, doch fanden wir es dennoch total
schade, diesen „Begegnungsraum“ aufgeben zu müssen. Die jährlichen Familienfreizeiten haben
inzwischen eine 25- jährige Tradition, finden mal am Niederrhein, mal im Sauerland, mal an der
Mosel oder an anderen guten Orten statt.

Um wenigstens ein Highlight in dieser schwierigen Situation zu schaffen, Kindern wie Pflegeeltern
Begegnungen in ähnlicher Lebenssituation bei Einhaltung der Hygieneregeln zu ermöglichen,
überlegten wir uns ein alternatives Konzept, an dem Team, Elternvertreterin und
GruppensprecherInnen mitwirkten.

Tadaa! Wir präsentieren: #stayhome – Familienfreizeit ohne Übernachtung und an der
Falkensteinstraße 84!

Geht das überhaupt? Wieviele Menschen würden sich anmelden? Meldet sich denn überhaupt
jemand an? Passen unsere Vorstellungen zu den Bedürfnissen der Familien und Kinder?
Neben den inhaltlichen Überlegungen durfte auch das O.K. des örtlichen Gesundheitsamtes nicht
fehlen, das seinen Segen für das geplante Event gab und uns mit klaren Auflagen unterstützte.

Mit dem Startschuss des Gesundheitsamtes und einem Koffer voll kreativer Ideen wurde ein 8 x
25 m großes Zelt geordert, das einen Großteil des Innenhofs überdacht (ja, es steht immer
noch…) und eine Verbindung zur Halle herstellt. Viel Raum und frische Luft plus Regenschutz!

Los ging es an einem milden Freitagnachmittag, wie gemacht für einen biografischen Spaziergang
durchs Oberhausener Marienviertel.
Die Auseinandersetzung mit unser Biografie kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen, führt
häufig an mehreren (Lebens-) Stationen vorbei. Sechs Mitmach-Stationen beleuchteten auf leichte
und spielerische Weise das Thema:
Woran erinnert mich ein Lied, ein Duft, welche Bilder, Gedanken und Gefühle sind damit
verbunden oder auch dahinter verborgen?
Gibt es Orte, die eine besondere Bedeutung für mich haben? Welche Ereignisse haben mich
geprägt, im Guten, wie im Schlechten.
Was befindet sich in meiner inneren Schatzkiste, macht mich stark, tröstet mich oder was auch
immer. Bin ich mir dieser Schätze überhaupt bewußt?
Wer gehört zu meiner Familie oder auch Wahlfamilie, meinem Netz, von dem ich ein Teil bin.
Und dann gibt es da ja noch mehrere Biografiestränge. Wer hat sich schon mal Gedanken zu
seiner religiösen Biografie gemacht, seiner Persönlichkeitsbiografie oder den kulturellen
Aspekten?

Die Biografie unserer Kinder und auch unsere eigene Biografie: ein wichtiges Thema, dem wir uns
in Freizeiten, Beratung und Fortbildung immer wieder annehmen, das jeden Familien-Alltag
durchwebt und daraus entsteht.

Wem nicht nach einem Spaziergang war, konnte währenddessen in der Villa basteln. Hier
entstanden unter großen und kleinen Händen filigrane Insektentränken und Fadenbilder. Auch an
den beiden Folgetagen gab es ausreichend Möglichkeiten, sich kreativ zu betätigen: Egal ob
Ölmalerei, Bügelperlenkunst oder Serviettentechnik. Selbst Aufräumen nach Marie Kondo konnte
man lernen, um u. a. mit simplen Falttechniken den Kleiderschrank scheinbar zu vergrößern.

Auch der Samstag hielt ein vielfältiges Angebot für Erwachsene und Kinder bereit:
Im Workshop „Den Körper zum Verbündeten machen“ befassten wir uns mit Engels- und
Teufelskreisen, die aus erfolgter oder auch nicht erfolgter Regulierung in den ersten Lebensjahren
entstehen und deren Auswirkungen auf das Zusammenleben in der Pflegefamilie.
Wir schauten gemeinsam durch das Window of Tolerance und auf unsere eigenen Strategien als
Erwachsene, die wir nutzen, um uns heute selbst zu regulieren. Nachdem der Kopf ausreichend
mit Information und Austausch gefüllt war, durfte auch der Körper ran: Aufstehen, Atmen, Pusten,
fest die Beine auf den Boden stellen, sich orientieren…mit dem notwendigen Hintergrundwissen
werden auch einfachste Übungen zum großen Kino. Was bleibt? Üben, üben, üben und sich
eigene kleine Workshops in Alltagsnischen bauen, dem Partner vom Erlernten erzählen oder die
Kinder zum Mitmachen animieren.

Am Nachmittag ging es weiter mit dem Vortrag „Pubertät, eine sehr besondere Zeit“, eine Zeit, die
gleichzeitig Sprengkraft und Entwicklungschance beinhaltet.
Die Gratwanderung zwischen Loslassen und Halt geben, das Aushalten und Verstehen der
Stimmungsschwankungen und Widersprüchlichkeiten pubertierender Kinder und nicht zuletzt die
Veränderung des gesamten Familiensystems erfordern Eltern, die viel Geduld, Toleranz und innere
Stabilität haben. Hier gab es reichlich Anregungen, um „pubertäres Verhalten“ zu übersetzen und
damit besser einzuordnen.

An zwei Tagen wurde ein Fotokurs angeboten, in dem sich unter professioneller Anleitung auch
das schnödeste Handy in eine „richtige Kamera“ verwandelte, wie viele der Aufnahmen beweisen.
Motivgestaltung, Lichteinfluss, Perspektive und der richtige Bildausschnitt wurden in der Theorie
besprochen und dann gleich in der Praxis erprobt. Freut euch auf die Ergebnisse, von denen
einige sicherlich im nächsten Löwenzahnkalender zu bestaunen sind.

Als wären das noch nicht genug Aktivitäten und Angebote trafen sich mehrere Familien im
Landschaftspark Duisburg Nord, um das Toprope-Klettern zu erproben oder den Weg über den
Klettersteig zu wagen. Jetzt kann man viel übers Klettern sagen: zum Beispiel, warum es
manchmal gut ist, ungewöhnliche Wege zu gehen, etwas zu wagen, in der Gewissheit gehalten zu
werden, die eigene Kraft zu spüren, sich im Vertrauen – was bekanntlich ein Verb ist – zu üben und
noch vieles mehr. Oder einfach nur, dass es Spass macht.
Und wer sich dafür nicht begeistern konnte, nahm an der Schatzsuche teil oder freute sich einfach
an den wärmenden Sonnenstrahlen, die nach einer durchregneten Nacht ein echtes Geschenk
waren.
Gegen Abend trafen sich dann alle unterm Zeltdach im Hof der Villa Löwenzahn, tauschten sich
über ihre Erlebnisse aus und genossen das reichhaltige Buffet.

Als Highlight hatte dann am Sonntag noch die Bastelhexe (wenn ihr sie noch nicht kennt, schaut
schnell auf unsere Homepage unter Löza-TV) ihren Auftritt, sehnsüchtig erwartet von ihren kleinen
(und auch großen) Fans.
September 2020
Ja, und obwohl Chaospiel, Begegnungen, Buffetköstlichkeiten und so manch netter Plausch hier
nicht weiter beschrieben werden, so haben sie doch stattgefunden; stattgefunden an einem guten
Ort, der diesmal nicht in der Ferne lag, sondern mitten im Pott.

Danke an alle, die an diesem Wochenende mitgewirkt und zugepackt, Aktionen erdacht und
durchgeführt haben, die uns besucht, oder auch nur an uns gedacht haben.
An Teilnehmer und Anteilnehmende.
Und ganz besonders auch an die schon großen Löwenzähne, die immer mal wieder einfliegen
(sogar aus Berlin oder Geldern) und die uns alle bereichern.

Wir wünschen euch #stayhome und bleibt gesund!

Fürs Löwenzahn-Team grüßt herzlich
Nicole
P.s.: Kennt ihr schon RückBlickPunkte 1: „Diese Blume, die uns verbindet“? Wenn nein, dann
schnell hin zu einem Buchhändler eures Vertrauens und kaufen. Wenn ja, dann freut euch auf ein
RückBlickPunkte 2., dass an diesem Wochenende – zumindest gedanklich – Form angenommen
hat.

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